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Aktuelles

Sonderausstellung im Sandelschen Museum "Gesang und Musik - 200 Jahre Liederkranz Kirchberg, 1822 - 2022"

Dass es in Kirchberg eine sehr alte Gesangs- und Musikkultur gibt, wird in der Sonderausstellung schon gleich am Anfang der Ausstellung dokumentiert. Schon am Grafen/Fürstenhof (1650 – 1861) wurde der Musik im Schloß einen hohen Stellenwert eingeräumt. So kam es schon um 1685 zu Gründung einer Musikkapelle mit Gesangsvorträgen. Zu Geburtstagen, wenn Besuch im Schloß war, oder Veranstaltungen organisiert wurden, immer gab es Unterhaltung durch das „Collegium Musicus“.
Dieser „zusammengewürfelte Haufen“ bestand in der Hauptsache aus Bediensteten des Schlosses, die im Alltag,- Kutscher, Mundkoch, Glaser, Musketier, Kammer-Lakey, aber auch Caplan, Präzeptor oder Pfarrer,- waren. Ein kleiner Teil war aber auch angestellte Berufsmusiker, die auch bei bürgerlichen Festen, wie Hochzeiten und Volksfesten aufspielen mussten.

Was sich so im Schloß von Kirchberg musikalisch in der Zeit der Herrscherfamilie Hohenlohe-Kirchberg abgespielt hat, wurde von Ingeborg Wesser als Dissertation (Doktorarbeit) schon 2001  aufgearbeitet und in einem Buch veröffentlicht. Auszüge aus ihrer Arbeit werden in der Ausstellung gezeigt.
Gezeigt wird auch ein Bild aus dem Rittersaal von Schloß Kirchberg, wo eine musikalische Zusammenkunft mit dem Titel „Musik und Tanz“ vom Maler Joachim Georg Creuzfelder dargestellt ist, der in diesem Jahr seinem 400. Geburtstag feiern würde. Allerdings nicht das Original, sondern eine Kopie von Alfons Hirth, das Original hängt in Neuenstein.
Die weitere Station ist eine berühmte Persönlichkeit, 1748 in Kirchberg geboren, viel in Deutschland und Europa unterwegs und später heimgekehrt als Pfarrer in Ruppertshofen und dort auch verstorben: Carl-Ludwig Junker.  Nach mehren Studiengängen war er Schriftsteller, Komponist, Klavierspieler, Flötist und Pfarrer. Besonders aber hat ihn die Musik gefesselt. Mit vielen Komponisten hat er korrespondiert, Konzerte besucht und einen musikalischen Almanach verfasst. Bei einem Konzertbesuch in Bad Mergentheim soll er das Talent des Ludwig van Beethoven entdeckt haben, der damals als einfaches Mitglied einer Kapelle aufspielte.

Notenbuch Leffer
Notenbuch Leffer
Vereinsfahne 1824
Vereinsfahne 1824

Dass die Geburtsstunde des Liederkranzes im Jahre 1822 eng mit dieser Vorgeschichte zusammenhängt, zeigt die Tatsache, dass um diese Zeit die Einnahmen des Fürsten durch den Verlust der Landes-Herrschaft einbrachen, so dass keine Finanzierung von eigenen Musikkapellen mehr möglich war.  Der Domänenrat, Kanzleivorstand und Mitglied in der Hofkapelle, Christoph, Friedrich, Franz L e f f e r , sah um 1806 nach Auflösung der Hofkapelle und endgültig nach 1810, die Gefahr, dass damit auch die Musikkultur in der Bevölkerung von Kirchberg verschwinden würde. Dies kann der Aussage von Carl-Ludwig Junker entnommen werden der schreibt  :
„Selten kommt man an einem Haus vorbei, wo man nicht ein Klavier oder andere Instrumente hört, also wo man nicht einen Sohn oder Tochter antrifft, die musikalisch sind.
Denn man wusste damals, eine Anstellung im Schloß ist nur erfolgreich, wenn man musikalische Kenntnisse hat. Deshalb organisierte man privaten Musikunterricht. So haben viele angestellten Väter und Mütter im Schloß ihren Nachwuchs als Bedienstete unterbringen können.
Es gibt Hinweise, dass es vor Gründung des heutigen Vereins, eine lockere Zusammenkunft von Sängern gab.
Warum dann Leffer nur einen Männergesangverein, aber keine bürgerliche Kapelle gegründet hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Der Zeitgeist stand wahrscheinlich mehr auf Gesang. Am Anfang war Leffer Vorstand,  Dirigent und Schriftführer in einer Person.
Dieser neugegründete Gesangsverein (zuerst Sängerbund Liederkranz) hatte guten Zulauf und konnte sich mit Vereinsbeiträgen und Spenden schon nach zwei Jahren leisten, eine eigene Vereinsfahne anzuschaffen. Heute ist sie die älteste Gesangsvereinsfahne in Deutschland und im Sandelschen Museum (1.Stock) zu besichtigen. Besichtigt werden kann auch ein 200 Jahre altes handgeschriebenes und gezeichnetes Gesangsbuch vom Gründer Leffer, sowie Protokollbücher des Vereins, wo alle Vorkommnisse, wie die Anwesenheit der Mitglieder, was gesungen wurde und kassenmäßige Vorgänge verzeichnet sind. Das 1. Protokollbuch ist leider verschollen. Darin vermerkt ist häufig die Nachricht, dass ein oder mehrere Vereinsmitglieder die festgesetzten Strafgelder für das Nichterscheinen nicht zahlen wollten. Ja es gab auch Fälle, wo dann der Nichtzahler aus dem Verein ausgeschlossen wurde.

In weitem Umkreis von Kirchberg gab es viele Gründungen von Gesangvereinen in dieser Zeit. Da lag es nahe, einen eigenen Sängerbund zu gründen, denn der Schwäbische Sängerbund war weit weg und die Fahrkosten hoch. 1884 wurde auf Anregung vom Vorstand, Hafnermeister Martin Keim und deshalb auch in Kirchberg, der Hohenloher Sängerbund gegründet. Schon 1886 wurde dann in Kirchberg das III. Hohenloher Gausängerfest veranstaltet.
Der 1. Weltkrieg machte viele Aktivitäten zunichte. Am 5. Juli 1919 wurde die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen. Auch die Einrichtung eines gemischten Chores wurde beschlossen. Inflation und Kassensturz konnten aber 1924 den Willen zu einer Feier zum 100-jährigen Fahnenjubiläum nicht ausbremsen. Ein Festbetrag von allen Mitgliedern wurde beschlossen, eine Spendensammlung aktiviert und ein Festzug mit vielen befreundeten Gesangvereinen und Musikkapellen organisiert, die sich finanziell beteiligen mussten. Hierzu gibt es viele Dokumente und ein Jubiläumsheft mit allen Details zu dieser Veranstaltung.
In dieser Euphorie des Aufschwungs wurde auch den Bau einer Halle beschlossen. Zusammen mit dem Turnverein (heute TSG), der ähnliche Probleme mit einem Übungsort hatte, wurde ein Vertrag ausgearbeitet, die spätere Turn- und Liederhalle gemeinsam zu bauen. Trotz erheblicher Finanzierungsprobleme und Baumängel, konnte die Halle am 26.Dezember 1926 eingeweiht werden. Der Liederkranz bekam den oberen Saal als Vereinsraum zugewiesen, konnte aber die große Halle zu Veranstaltungen mitbenutzen. Viele Ereignisse, Informationen zu einzelnen Mitgliedern und dem Vereinsgeschehen können im Heft von Werner Martin Dienel, „Gesang, Geselligkeit und Freundschaft“, zum 175-jährigen Vereinsjubiläum erschienen, nachgelesen werden.
1978, am 4. August, wurde dann endlich, die am Anfang erhobene Frage beantwortet und unter dem Dach des Liederkranzes eine Blaskapelle gegründet, die an diesem Tag ihre erste Probe hatte. Treibende Kraft war Karl Müller aus Michelbach/Lücke, ein geborener Kirchberger, der die Verbindung zur Heimatstadt nie abreißen ließ. Der Zuspruch zur Mitgliedschaft erreichte zum 10-jährigen Bestehen 1988 ihren Höhepunkt mit über 50 Mitgliedern. Danach verkleinerte sich die Truppe kontinuierlich durch Wegzug und Austritte, meistens aus beruflichen Gründen. Heute sind noch ca. 25 Frauen und Männer aktiv und hat durch rege Nachwuchsarbeit keine Zukunftssorgen.

Und was wurde aus dem gemischten Chor?
Hier hat der mangelnde Nachwuchs und der Tod vieler Mitglieder, sowie das hohe Alter der Aktiven, die nicht mehr den Ton halten und laut singen konnten, eine so große Lücke in ihre Reihen gerissen, sodass 2010 die Gesangsaktivitäten eingestellt werden mussten. Man traf sich nur noch als Stammtischrunde. 2011 wurde dann beschlossen, die Abteilung „Chor“ aufzulösen.
Aber diejenige, die sich immer noch ihrem „Liederkranz“ zugehörig fühlen, wie:
Alfred Albrecht, Alfons Schmitt, Friedrich Herrmann, Ernst Schenkel, Waltraud Gölder und Inge Vorholzer, blicken heute auf eine glorreiche Vergangenheit zurück und freuen sich, dieses stolze Jubiläum noch miterleben zu dürfen.
 
Als weitere Ergänzung zur Ausstellung wird im 1. Stock in 10 Bilderfolgen das Thema „vom Freiheitskampf zur Freizeitgestaltung“ dargestellt, das zum Jubiläum „150 Jahre Deutscher Chorverband“ vom Sängermuseum Feuchtwangen zusammengestellt wurde.
 
Von Helmut Klingler, AK Stadtgeschichte

Die Ausstellung kann vom 25. September 2022 bis 6. Januar 2023 sonn- und feiertags von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Sandelschen Museum besichtigt werden. Der Eintritt ist kostenlos.

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